Patrick Klingberg von artaxo über Voice Search

Patrick Klingberg von artaxo über Voice Search

Mit dem Einzug von Sprachassistenten in unseren Alltag verändert sich das Suchverhalten im Internet. Was bedeutet das für Unternehmen und ihren Umgang mit Suchmaschinenoptimierung?

Die großen Konzerne überbieten sich derzeit in der Entwicklung ihrer Sprachassistenten. Im Rennen sind dabei aber nicht nur Alexa oder der Google Assistant, sondern auch Voice Searches, die direkt ins Smartphone integriert sind.

Und die digitalen Gesprächspartner werden offensichtlich von ihren Usern angenommen. So sollen bereits vor zwei Jahren schon 20 Prozent aller Google-Anfragen über Voice Search gestellt worden sein.

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Zugegeben: Hier und da hakt es an der Usability noch. Die Geräte entwickeln sich aber rasant weiter, auch wenn ein komplett ausgereifter Sprachassistenten für die ein oder andere Person noch ein wenig weiter weg erscheinen mag.

Genau der richtige Moment also, um zu fragen, inwiefern Voice Search die Suchmaschinenoptimierung verändert und verändern wird!

Quo Vadis, Voice Search?

Patrick Klingberg, CEO der artaxo GmbH und Experte für Digitale Architektur steht uns dafür Rede und Antwort.

Hi Patrick! Voice Search ist momentan im wahrsten Sinne des Wortes in aller Munde. Die Sprachsuche per Smartphone oder Sprachassistent wird immer beliebter, auch wenn einige Verbraucher weiterhin skeptisch sind.

Welchen Einfluss wird Voice Search in den nächsten Jahren Deiner Meinung nach haben? Wie schätzt Du die Entwicklung ein? Ist es nur ein Nischen-Thema oder wird Voice die screen-basierte Suche irgendwann gar ablösen?

Patrick Klingberg: Aktuell steht die Sprachsuche noch ziemlich am Anfang – vor allem in Deutschland. Laut einer repräsentativen Umfrage des Bundesverbands Digitale Wirtschaft (BVDW) aus dem Jahr 2017 haben 56 Prozent der Internet-NutzerInnen schon einmal einen Sprachassistenten genutzt.

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Quelle: BVDW.org

Dennoch verbreiten sich die digitalen Sprachassistenten eher schleppend und sind nach wie vor ein Nischenprodukt.

Wann wird das Thema aus diesem Nischen-Dasein ausbrechen?

Patrick Klingberg: Die Sprachsuche ist definitiv eine der bedeutungsvollsten Technologien der nächsten Jahre, die sich sowohl auf unser tägliches Leben als auch auf das Marketing auswirken wird.

Ich gehe davon aus, dass sich die Sprachsuche durch eine verbesserte Technologie und eine steigende Akzeptanz bei den Nutzern in den nächsten Jahren stark weiterentwickeln und so die textbasierte Suche zunehmend ergänzen wird.

Um die textbasierte Suche komplett zu ersetzen, ist die Genauigkeit der Voice-Search-Ergebnisse aktuell noch nicht ausreichend. Offiziell liegt die Genauigkeit aktuell bei 95 Prozent.

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Steigende Nutzerzahlen führen aber zu immer mehr Trainingsdaten für die Machine-Learning-Technologie der Sprachassistenten und somit zu einer besseren Fähigkeit der Geräte, die natürliche Sprache zu verarbeiten. Daher sollten sich Website-Betreiber definitiv mit dem Thema Voice Search beschäftigen.

Welche Branchen sind bzw. werden von Voice Search Deiner Meinung nach künftig am meisten betroffen sein?

Patrick Klingberg: Voice Search wird für Branchen interessant, die in folgenden Bereichen ihr Geld verdienen:

Unterhaltung: Hierzu gehören Bereiche wie das Hören und Kaufen von Musik, das Spielen interaktiver Spiele, die Nutzung von Social Media, die Suche nach Videos und das Abspielen von diesen oder die Frage nach Zeiten von Sportereignissen.

Customer Service: Die meisten Anfragen bei der Sprachsuche beginnen mit „Wie“ und „Was“. Zudem folgt auf eine Sprachsuche häufig ein Anruf bei der gesuchten Nummer. Hier gilt es, hilfreiche Informationen auffindbar und bestenfalls die Anrufenden zu glücklichen KundInnen zu machen.

Einfache Wissensfragen: Dazu gehören Begriffsdefinitionen, gezielte Fragen zu Ereignissen, Personen oder Orten sowie Rezepte, Nachrichten, Finanzinformationen oder Preise von Hotels oder Flügen.

Aber auch lokale Informationen wie Fragen nach Restaurants und Shops (und deren Öffnungszeiten oder Angebote), dem Wetter, Veranstaltungen oder Verkehrsinformationen.

Wie unterscheidet sich Voice-SEO von bisheriger Suchmaschinen-Optimierung?

Patrick Klingberg: SEO für die Sprachsuche und die herkömmliche Suche unterscheiden sich zunächst einmal aufgrund der Eigenschaften der beiden Suchformen.

Bei der gesprochenen Suche werden ein natürlicher Sprachstil und ganze Phrasen oder gar Fragen verwendet. Herkömmliche, textbasierte Suchanfragen bestehen hingehen eher aus einzelnen, aneinandergereihten Keywords.

Ein weiterer großer Unterschied der beiden Suchformen besteht darin, dass es bei der Sprachsuche nur ein einziges Suchergebnis gibt. Digitale Sprachassistenten beantworten einfache Suchanfragen mit Inhalten aus dem Knowledge Graph, andere Fragen werden häufig mithilfe von Featured Snippets beantwortet.

Featured Snippets sind hervorgehobene Suchergebnisse, die eine kurze, zusammengefasste Antwort einer Website beinhalten und über den organischen Suchergebnissen (Position null) angezeigt werden.

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Was müssen Unternehmen bei der Entwicklung und Erstellung von Content beachten, wenn sie Inhalte auf Voice Search optimieren wollen?

Patrick Klingberg: Inhalte für die Sprachsuche sollten möglichst einfach und verständlich geschrieben und so verfasst werden, dass sie problemlos laut vorgelesen werden können.

Findet heraus, welche Fragen in Eurem Bereich häufig gestellt werden und beantwortet diese konkret auf Eurer Website, zum Beispiel anhand von FAQ-Seiten.

Um herauszufinden, welche Fragen sich Eure Kunden stellen, bietet sich eine Recherche nach Longtail-Keywords an, die oft konkreten Fragen sehr ähnlich sind.

Zudem könnt Ihr Beiträge in Foren und Kommentare zu Artikeln oder Produkten analysieren oder Euren Kunden-Support bitten, tatsächliche Kundenfragen festzuhalten und an Eure SEOs weiterzugeben.

Versucht Eure Inhalte zudem möglichst so zu erstellen, dass Google sie leicht versteht. Unabdingbar ist die Nutzung von strukturierten Daten, wie Schema.org-Auszeichnungen, mit denen Ihr Eure Inhalte mit weiteren Informationen anreichern könnt. Dadurch kann Google die Website konkreten Suchanfragen zuordnen und ihr könnt die Entstehung von Featured Snippets begünstigen.

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Und generell gilt: Optimiert Eure Inhalte für mobile Endgeräte, denn die Nutzerzahlen steigen und die Sprachsuche wird vor allem unterwegs genutzt. Dies umfasst ein responsives Design, kurze Ladezeiten, daumenfreundliche Websites sowie die ansprechende Darstellung der wichtigsten Inhalte „above the fold“.

Stellt den Suchmaschinen außerdem möglichst korrekte, aktuelle und vollständige lokale Daten zur Verfügung. Hilfreich sind Brancheneinträge wie Google My Business, damit Euer Unternehmen an relevanten Orten für Suchanfragen in Ihrer Nähe gefunden wird.

SEO-Ziel ist seit jeher, die eigenen Inhalte auf Platz 1 der SERPs zu pushen – oder zumindest in die obersten Regionen der Ergebnisseiten. Mit der Sprachsuche spitzt sich dieser Wettbewerb noch weiter zu, wenn nur noch das erste Ergebnis vorgelesen wird.

Inwiefern siehst Du hierin Nachteile für kleinere Unternehmen zugunsten der Big Player?

Patrick Klingberg: Dies muss nicht in erster Linie ein Nachteil für kleine Unternehmen sein, denn diese Unternehmen besetzen mit Ihren Produkten oder Dienstleistungen häufig eine Nische. Mit diesen Nischen gehen oftmals Longtail-Keywords einher, die für Voice Search SEO besonders relevant sind.

Daher haben kleinere Unternehmen gerade im Longtail-Bereich auch weiterhin die Chance, gegenüber den Großen zu bestehen.

Vielen Dank, lieber Patrick!

Die richtige Zeit für Early Adopter

Unternehmen – nicht nur die großen – sollten sich also besser heute als morgen auf Voice Search einstellen. Oder sie zumindest in die Suchmaschinenoptimierung mit einbeziehen.

Veränderungen am Text, Mobile-Optimierung oder die Recherche der FAQs sind dabei Dinge, die Unternehmen ohnehin kontinuierlich hinterfragen und verbessern können. Warum also nicht schon jetzt den Blick auf Voice Search richten?

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Also in: Interview